Freitag, 4. August 2017

[Lese-Einblick #15] Miles & Niles - Hirnzellen im Hinterhalt

Jungs zum Lesen zu bringen oder am Lesen zu halten ist so eine Sache für sich. Da gibt es diejenigen, welche alles verschlingen was ihnen in die Finger kommt und dann gibt es die, welche ganz gerne mal lesen würden, aber nichts gscheites finden.

Deswegen bin ich immer wieder auf der Suche nach neuem Empfehlungsstoff für verzweifelte Mütter, geschenksuchende Omas oder die jungen Herrschaften selbst, die mit kritischem Blick vor einem stehen und irgendwie nicht über den Weg trauen.

"Miles & Niles" hat mich nie so richtig angemacht, bis mir die Verlagsvertreterin davon vorgeschwärmt hat ( gut, sie hat auch gesagt dass sich diese Geschichte überall ziemlich gut verkauft und ich bitte euch: Geld ist Geld, aber da muss auch natürlich eine schöne Handlung dabei sein, da hilft alles nix! ) und nun endlich habe ich mich auf gemacht dieses Buch zu erkunden.


Und was soll ich sagen? Isch bin bejeistert! 

Von Anfang an war ich am Lachen, Schmunzeln und Kichern, das Autoren-Duo haut einen Wortwitz nach dem anderen heraus, ohne bemüht zu wirken.


Doch um was geht es? Miles ist auf seiner alten Schule ein berühmt berüchtigter Streichespieler gewesen, keiner konnte ihm das Wasser reichen und nun passiert das für ihn unfassbare: Seine Mutter zieht mit ihm in eine neue kleine Stadt um und Miles muss sich in seiner neuen Schule neu profilieren. Als was ist klar: Erneut als Trickser!

Jedoch hat Miles nicht damit gerechnet, dass die Yawnee Valley Akademie für Wissenschaft und Kunst bereits seinen Meister im Streiche spielen gefunden hat - und der ist unglaublich gut. Das kann Miles natürlich nicht auf sich sitzen lassen und ein erbitterter Krieg bricht zwischen den beiden aus ....


Die comicartigen Zeichnungen lockern den Text auf fast jeder Seite wunderbar auf und schaffen so ein unvergleichliches Leseerlebnis. Bisher kann mich das Buch nur positiv überraschen und wenn es so weitergeht wird dies eine meiner neuen Lieblingsempfehlungen - gerade für Jungs die gerne Gregs Tagebuch oder Tom Gates gelesen haben ( obwohl hier eindeutig mehr Fließtext zum Lesen ist! ) oder generell ein humorvolle Geschichte erleben möchten.


Also wer mich sucht: Ich schaue Miles & Niles gerade beim Streiche spielen über die Schulter und amüsiere mich köstlich dabei, bis später! 

Sonntag, 30. Juli 2017

[Abgebrochen #17] Rock my Heart - Darüber müssen wir reden!

Dieses [Abgebrochen] wird ein klein wenig anders ausfallen als sonst, denn ich muss mit euch definitiv über gewisse Punkte in dieser Geschichte reden, die mir extrem aufgefallen sind und die ich nicht unkommentiert lassen möchte.

Vorab muss ich ein klein wenig ausholen: 

Ich lese sehr gerne New Adult, erotisch angehauchte Romane oder auch dramatische Liebesgeschichten, dementsprechend habe ich schon so einiges aus diesem Genre-Bereich kennen gelernt. Es gibt natürlich oft Dinge in dieser Art von Büchern, die mir auffallen, die mich nerven oder in den Wahnsinn treiben, aber darüber kann ich eigentlich die meiste Zeit ganz gut drüber hinweg sehen.

ABER auch jetzt bei "Rock my Heart" ( genauso wie damals bei "Paper Princess" ) kommt ein Kritikpunkt auf den nächsten, ein Klischee reiht sich hinter das andere an und die Protagonistin ist ein Paradebeispiel dafür, wie junge Frauen in diesen Geschichten meiner Meinung nach eher weniger dargestellt werden sollten.

Eine kurze Zusammenfassung des Inhaltes bekommt ihr natürlich nun auch:


Rowan ist seit drei Jahren glücklich mit ihrem Freund Brady zusammen, doch ein Abend stellt ihr Liebe auf eine harte Probe. Auf einem Rockkonzert, dass Rowan mit ihrer besten Freundin Dee besucht sieht sie Brady ein anderes Mädchen küssen - für sie bricht eine Welt zusammen. Sie flüchtet sich nach draußen und trifft dort auf den Leadsänger der Band, Adam Everest. Rowan lässt sich zu einem Kuss hinreißen, doch danach steht ihr ganzes Leben Kopf ....


So ein wenig ungeordnet meine Kritikpunkte bisher:

1.) Rowan lässt sich hier unfassbar von ihrer besten Freundin beeinflussen ja fast manipulieren - sie zieht Klamotten an, in denen sie sich sehr unwohlt fühlt und wie eine Prostituierte aussieht ( Zitat aus dem Buch! ). Sie lässt sich von Dee sagen wie sie mit der Fremdgeh-Situation ihres Freundes Brady umzugehen hat, obwohl sie sich dabei eigentlich ganz anders entscheiden würde und und und.

>>  Mir ist bewusst das man sich gerade als junges Mädchen sehr oft von Freunden beraten lässt, deren Meinung gerne annimmt und auch mal Sachen tut, die man hinterher bereut - ABER ich finde es so schade, dass gerade in so einer Geschichte die weibliche Hauptperson bisher so gar keine eigene Persönlichkeit zeigt, sich fast schon "benutzen" lässt und sich dagegen nicht irgendwie wehrt.

2.) Adam Everest nimmt Rowan mit in den Tourbus um sie dort von dem Eklat mit ihrem Freund abzulenken und was tut er? Er lässt ihr die Wahl ob er sie a) mit Alkohol abfüllen soll oder sie b) für eine schnelle Nummer mit in sein Bett nehmen soll. Ähm, bitte was?!
Kleiner Spoiler:  Sie knutschen dann doch "nur" rum und Rowan lässt sich mit Whiskey ein wenig ablenken - jep.

>>  In solchen Büchern ist der männliche Protagonist ja oft ein kleiner Draufgänger, im Grunde seines Herzens aber dann doch ein anständiger Bursche. Hier habe ich bis Seite 100 noch nicht so wirklich das Gefühl, dass diese Charakterwandlung noch kommen mag - und das lässt mich dann doch bei solchen Aktionen eher abstoßen als anturnen.

3.) Auf dem College lernt Rowan dann Leti kennen, der nach eigenen Aussagen bisexuell ist, aber dann doch zum Großteil eher auf Männer steht. So weit so gut, aber Dees Reaktion darauf, als Rowan ihr von dieser beginnenden Freundschaft erzählt hat mich dann doch wieder aufstöhnen lassen:

"Ein schwuler Freund? Du hast jetzt schon einen schwulen Freund gefunden?! Das ist nicht fair! Ich will auch einen!" ( Zitat S. 65 )

>>  Ach, ich wusste gar nicht dass ein homosexueller Freund sowas wie ein Must-Have-Accessoire auf dem College darstellt - kein Kommentar, wirklich nicht.

Fazit:

Ich könnte hier noch ein wenig länger weitermachen mit Aufzählungen, was mir eigentlich so missfällt an dieser Geschichte. Es sind wie so kleine Dornen die sich in mein Leserherz hineintreiben und dort stecken bleiben - denn vom Schreibstil und dem Humor ist "Rock my Heart" genau das, was ich generell gerne lese.


Manchmal würde ich mir mehr selbstbewusste junge Frauen in solchen Büchern wünschen, die ihren Weg gehen und wissen was sie wert sind. Die nicht immer mit sich spielen lassen, welche auch mal zurückschießen und nicht alles gefallen lassen.

Denn solche Protagonisten habe ich wahnsinnig gerne, würde mir von ihnen eine Scheibe mehr Selbstvertrauen gerne abschneiden und sehe sie für mich ein klitzekleines bisschen als Vorbild.


Doch Protagonistinnen wie Rowan schrecken mich da eher ab - warum muss es jedes Mal das kleine verschreckte Mäuschen sein? Und dann kam diese EINE Stelle, an der ich das Buch seufzend und augenverdrehend weglegt habe. Für euch extra abfotografiert, sonst glaubt mir das ja keiner:


Schade eigentlich, denn ich dachte wirklich ich könnte es mögen - war aber leider für mich ein absoluter Griff ins Klo. Aber die nächsten Bücher warten ja schon, also wird einfach tapfer weitergelesen!

Wie seht ihr das? Fallen euch solche Klischees auch beim Lesen auf oder seid ihr da eher Hartgesotten? Schreibt es mir in die Kommentare, ich freue mich auf euer Feedback!

Donnerstag, 27. Juli 2017

[Rezension] Babydoll - Hollie Overton

Babydoll

Hollie Overton

352 Seiten

Goldmann Verlag

15,00 €

Lily Risers neues Leben beginnt an einem kalten Winterabend: Nur mit einem dünnen Schlafanzug bekleidet tritt sie vor die Tür, drückt ihre Tochter an sich – und rennt los. Weg von dem Haus im Wald, weg von dem Mann, der sie acht Jahre lang gefangen hielt. Dem Vater ihrer Tochter Sky, dem Mann, der an diesem Abend zum ersten Mal einen Fehler machte, als er vergaß, die Tür zu verriegeln. Doch schnell wird klar, dass es für Lily kein Zurück zur Normalität gibt ...

Meine Meinung:

Als ich "Babydoll" in die Hand genommen habe wollte ich damit eigentlich nur meine Thriller-Laune befriedigen -große Erwartungen hatte ich an die Geschichte kaum. Doch dann die Überraschung: Die Handlung hatte mich von den ersten Seiten komplett gefesselt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und las so schnell ich konnte.

Was mir besonders gut gefiel war die Grundidee, denn hier begleiten wir Lily, welche mit ihrer Tochter nach acht langen Jahren vor ihrem Entführer fliehen konnte und nun wieder in ihr altes Leben eintaucht, welches natürlich sehr viel anders ist als vor ihrer Entführung.

Und hier spielt die Autorin eine Trumpfkarte aus, die mich quasi durch die Geschichte gescheucht hat: Als Leser erfahren wir aus den mehreren Sichtweisen wie die unterschiedlichsten Personen mit dieser Situation umgehen und was sie dabei fühlen und denken.
Wir erfahren dabei einiges aus Lilys Sichtweise, aber dürfen auch ihrer Mutter Eve über die Schultern schauen, mit ihrer Schwester Abby mitleiden UND ihrem charismatisch-widerlichen Entführer Rick bei seinen Selbstbeweihräucherungen zur Seite stehen.

Gerade diese Vielfalt und die einzelnen Persönlichkeiten haben mich unwahrscheinlich neugierig gemacht, haben mich durch die Geschichte getrieben und meine Neugierde nie ganz befriedigt. Wie schon im Lese-Eindruck beschrieben hatte ich jedes Mal das Gefühl einen Autounfall zu betrachten:

Ich wollte immer mehr wissen, wollte erfahren wie es Lily in der Gefangenschaft ging, was sie erlebt hat und wie ihre Familie mit der Ungewissheit gelebt hat und ihr Leben weiterführte. Und diese ganze Zeit hatte ich ein unglaublich SCHLECHTES Gewissen dabei, denn auch wenn es eine fiktive Geschichte ist und nichts davon wirklich passiert ist, hatte ich das Gefühl mich an diesem Unglück nicht satt lesen zu können.

Hollie Overton hat hier ganze Arbeit geleistet muss ich sagen!

Aber auch die komplette Handlung war unglaublich durchdacht, mit kleinen spannenden Cliffhängern gesät und wurde generell NIE langweilig. Wer hier allerdings einen actionreichen Psychothriller sucht sollte mit anderen Erwartungen an "Babydoll" rangehen, denn wie auch schon der Verlag richtig auf dem Cover vermerkt hat ist dies ein Roman.

Es sollte wirklich mal eine Zwischenbezeichnung für diese Sorte Geschichte geben: Die, welche kein reiner Thriller sind, da zu wenig Psycho-Action-Blut-Gemetzel enthalten ist und die, die aber auch kein reiner Roman sind, da sie zu viel Spannung enthalten -liebe Verlage, HILFE! 

Fazit:

Ein fabelhaftes Debüt mit großem Überraschungseffekt, authentischen Charakteren und einem Ende, mit dem ich sehr gut leben konnte. Große Empfehlung!

Dienstag, 25. Juli 2017

[Lese-Einblick #14] Babydoll

Wer kennt sie nicht, die typischen Entführungsthriller? Meist dreht sich die Handlung um das Auffinden der verschwundenen Person oder deren Flucht aus der Gefangenschaft, ein wenig Nachgeplänkel und dann ist die Geschichte oft auch schon zu Ende.

"Babydoll" fängt da an, wo diese Bücher enden. Denn hier begleiten wir Lily und ihre Tochter Sky, welchen die Flucht aufgrund einer kleinen Unachtsamkeit ihres Entführers gelingt. Der Leser verfolgt nun aus verschiedenen Sichtweisen das ganze "Danach" - wie Lily nach acht Jahren wieder nach Hause kommt, ihre Familie zerrüttet vorfindet und natürlich was sich in den Jahren in Lilys Abwesenheit ereignet hat.

Hollie Overton hat hier eine sehr beklemmende Atmosphäre erschaffen, die mich beim Lesen mehrmals hat schlucken lassen. Gut gefällt mir bisher, dass die Autorin es sich auch erlaubt, unsympathische Charaktere in die Geschichte einfließen zu lassen und nicht nur eine heile Welt präsentiert.

Denn wenn ein geliebter Mensch eine solch lange Zeit ungeklärter Weise verschwunden ist und nun plötzlich wieder in das Leben eintritt, dann kann mir niemand erzählen dass dies bei den Angehörigen keine Spuren hinterlassen hat und sofort wieder mit einem normalen Alltag weitergemacht wird.

Nein, da gibt es Wunden und Streitthemen, da ist Verunsicherung und Wut vorhanden und ganz gewiss eine Hilflosigkeit, welche die Autorin sehr feinfühlig und gezielt in die Handlung eingestreut hat. Aber auch die Sichtweise des Entführers, der von Anfang an bekannt ist, und seine Motivation hinter Lilys Entführung und seine Gedankengänge, all dies zu verfolgen und Einsicht zu nehmen ist gewissermaßen wie ein Autounfall: 

Man möchte es nicht lesen, möchte sich nicht in ihn einfühlen und doch lese ich es mit einer gewissen Sensationsgier, die mich selbst fast schon erschreckt. Und genau das macht den Lesefluss und den Drang weiterzulesen an dieser Geschichte aus:
Ich will wissen wie es weitergeht, möchte wissen ob Lily und ihre Familie sich zusammenraufen können und ob ihr Entführer eine gerechte Strafe bekommt - und deswegen rase ich wirklich durch das Buch hindurch.

Zwischenfazit:

Bisher ganz ganz großes Kino, aber natürlich nicht ein klassischer Thriller in dem Sinne, sondern wie es auf dem Cover richtig steht ein "Roman" mit gewaltiger Spannung, den man nicht mehr weglegen möchte!

Sonntag, 23. Juli 2017

[Rezension] Crossroads - Jürgen Albers

Crossroads

Jürgen Albers

616 Seiten

CreateSpace Independent Publishing

15,99 €

Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. 

Meine Meinung:

Mit seinen 616 Seiten ist "Crossroads" ein Schwergewicht von einem Krimi! Doch die Handlung braucht diese Fülle auch, denn neben den klassischen Ermittlungen rund um den Mörder hat Jürgen Albers auch sehr viel Kriegsgeschehnen in seinem Roman verarbeitet, was für mich unglaublich interessant zu Lesen war.

Denn die deutschen Truppen fallen auf Guernsey ein und bringen das Inselleben gehörig durcheinander. Schon zuvor erlebt der Leser schleichend den Kriegsbeginn: Schleichend wird die Nahrung rationiert, viele Leute fliehen von Guernsey bzw. werden evakuiert, die ersten deutschen Flieger kreisen über der Insel und verbreiten Angst und Schrecken.

Und gerade das hat "Crossroads" das gewisse Etwas verliehen, aber eben auch seine Länge bestimmt. Natürlich waren mal ein paar längere Passagen dabei ( gerade zum Ende hin ), die mich und mein Gedächtnis sehr gefordert haben, denn irgendwann ist SO VIEL los und unendlich viele Personen beteiligt, dass man leicht den Überblick verlieren kann, aber das war nur ein minimaler Störfaktor.

Die meiste Zeit bin ich durch die Geschichte gerast, hab an der Seite von Inspektor Norcott ermittelt und ihn mit seiner ganzen Art und Weise lieben gelernt. Wenn er auch zu Anfangs sehr unnahbar erscheint, taut er während der Handlung immer mehr auf und hat mich vorallem mit seinem grenzenlosen Optimismus und seiner Verbissenheit sehr beeindruckt!

Auch der ( für mich ) ungewöhnlichere Handlungsort Guernsey bzw. St. Peter Port hat es mir irgendwann sehr angetan gehabt und ich musste mir Bilder davon ergoogeln, denn Jürgen Albers hatte mich dann doch sehr neugierig gemacht - und was soll ich sagen? Jetzt will ich da Urlaub machen!


Fazit:

Eine unglaublich spannender und gehaltvoller, klassischer Kriminalroman, der das gewisse Etwas besitzt. Wer gerne etwas länger liest und eine durchdachte, vielschichtige Geschichte sucht ist hier genau richtig - große Empfehlung! HIER zu kaufen.

Sonntag, 16. April 2017

[Rezension] Ellbogen - Fatma Aydemir


Ellbogen

Fatma Aydemir

272 Seiten

Hanser Verlag

20,00 €

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. 

Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Meine Meinung:

"Ellbogen" hat mich mit einem seltsamen Gefühl der inneren Zerrissenheit zurückgelassen. Wie ein schaler Geschmack klebt mir die Geschichte am Gaumen fest, will mich nicht so recht loslassen und doch will ich ihn am liebsten herunterspülen und vergessen - ein reines Gefühlswirrwarr.

Die Autorin schafft es mit einer recht rotzig-frechen Sprache ihrer Protagonistin Hazal eine Stimme zu geben, welche auch jetzt noch in mir nachhallt. Hazal lebt in Berlin mit ihren Eltern, welche damals aus der Türkei einwanderten. Beide Elternteile fühlen sich auch nach etlichen Jahren noch fremd in Deutschland und kompensieren dies auf unterschiedliche Art und Weise.

Hazal ist mit ihren 17 Jahren völlig verunsichert, steht zwischen den Stühlen und muss den Spagat zwischen der elterlichen Kultur/Religion schaffen und ihren eigenen Vorstellungen vom Leben an sich. An vielen Stellen hat mich der Mut verlassen an Hazal zu glauben, denn sie trägt eine unglaubliche Wut in sich, welche sich während der Geschichte klar und deutlich zeigt.

Und gerade diese Wut hat mich so traurig gestimmt. Es ist eine hilflose Wut, eine Wut auf die Gesellschaft an sich und wie diese Hazal als Deutsch-Türkin sieht, wahrnimmt und behandelt. Dabei nimmt oft auch ihre eigene Wahrnehmung von gewissen Situationen Höhenflüge an, was sie schlussendlich in ein riesengroßes Dilemma hineinkatapultiert.

Fatma Aydemir hat mich in einen regelrechten Gewissenskonflikt gebracht: Auf der einen Seite mochte ich Hazal bis zum Schluss nicht so richtig, ich konnte sie häufig einfach nicht verstehen und ihre Reaktionen nachvollziehen. Auf der anderen Seite wollte ich sie beschützen, in den Arm nehmen und sagen dass alles gut werden wird - um daraufhin zu erröten und zu merken, dass es eben doch nicht so einfach ist.

Für Hazal ist Deutschland ein Land ohne Hoffnung - sie arbeitet in der Bäckerei einer Verwandten, hat die Schule hin geschmissen und weiß nichts mit sich und ihrem Leben anzufangen. Ihre Freunde sind ihr dabei keine große Stütze, fühlen sich selbst nicht richtig wohl in der eigenen Haut und gehen dadurch äußerst aggressiv mit jeglicher Provokation um, ob gerechtfertigt oder nicht.

Während der kompletten Geschichte habe ich mich immer wieder gefragt, ob alles anders verlaufen wäre, hätten nicht alle Beteiligten in jeglicher Hinsicht versagt. Die einzige Person, zu der Hazal auch ein recht freundschaftliches Verhältnis hat, ist ihre Tante Semra. Diese versucht ihr stets den richtigen Weg zu weisen, doch auch sie schafft es bis zum Schluss nicht, Hazal ein kleines Fünkchen Hoffnung mitzugeben, denn ich glaube mehr hätte es gar nicht bedarft.

Und auch als Hazal endlich in IHREM Land, in Istanbul ankommt, muss sie feststellen, dass auch dort nicht alles so ist, wie sie es sich erträumt hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich richtig gemerkt, wie ihr Mut nach und nach zerbröckelte. Wie sehr hatte Hazal sich einen Wendepunkt dort gewünscht, wie sehr wollte sie die Menschen und die Kultur dort annehmen um endlich angekommen zu sein, nur um zu merken, dass sie sich auch dort nicht heimisch fühlt.

Zerrissen zwischen zwei Welten, die sie beide nicht haben wollen. Deutschland und Istanbul - wo ist ihr Zuhause und gibt es sowas für Hazal überhaupt? Oder wird sie für immer in ein "Dazwischen" gehören, muss sie sich stets aufteilen zwischen diesen beiden Kulturen?

Mein Fazit:

Ein Debüt, welches noch lange in mir nachklingen wird. Nach Beenden des Buches habe ich eine regelrechte Unruhe innerlich gespürt, fühlte mich ruhelos und entmutigt. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte nicht komplett begreifen zu können, weil ich diese Zerrissenheit zwischen den Kulturen/Religionen nie verstehen und nachempfinden werden kann.

Aber das ist in Ordnung so - ich habe hier so viel dazugelernt, habe eine Sichtweise regelrecht aufgedrückt und ungeschönt aufgezeigt bekommen und dadurch ein klein wenig mehr verstanden als zuvor. Nicht viel mehr, aber meine Sicht auf die Dinge hat sich um einige Grad verschoben und ich denke, genau das wollte die Autorin.

Fatma Aydemir will mit diesem Roman nicht missionieren, nicht mit erhobenem Zeigefinger da stehen und dem Leser ihre eigene Meinung aufdrücken - nein, sie zeigt einem die raue, ungeschminkte Realität und überlässt es einem selbst, was man für sich aus dieser Geschichte mitnehmen möchte.

Ich vergebe hierfür 4 ( von 5 möglichen ) Buchpunkte!


Wer nun neugierig auf "Ellbogen" geworden ist, sich aber noch nicht sicher ist ob ihm diese Geschichte gefallen wird, kann sich die Rezension der liebe Kerstin von Kejas-Blogbuch ebenfalls durchlesen - sie ist sehr lesenswert! *KLICK*

Samstag, 25. Februar 2017

[Redestoff #17] BestSeller, Lese"beichte", Neues Jahr, neues Glück?

Ein großes HALLO an euch da draußen, hier bin ich wieder!

Lang lang ist es her, seitdem wir uns das letzte Mal gelesen haben. Meine Motivation zu bloggen war gleich null und zum Schreiben zwingen wollte ich mich erst recht nicht. Dabei kann ja nichts gutes dabei herauskommen.

Aber nicht nur mir ging es in den letzten Monaten gefühlt so, viele meiner Lieblingsblogger hatte/ hat diese Unlust erwischt - und wisst ihr wie ich das finde? Überhaupt nicht schlimm! Wenn ich einen Blog führe, möchte ich dies mit einer gewissen Leidenschaft tun und wenn diese eben nun mal nicht da ist oder sich auf unbekannte Zeit verzogen hat, dann macht doch eine Pause.

Doch genug dazu - in den letzten Monaten habe ich so viele faszinierende Geschichten gelesen, habe wundervolle Lesestunden verbringen können und mich durch Neuerscheinungen gewühlt, aber auch ältere Bücher von meinem SuB befreit und das alles möchte ich wieder mit euch teilen - seid ihr mit dabei?

1.) BestSeller oder auch Mein Lieblings-Frust-Thema!

Als Buchhändlerin erlebe ich so einiges und ein Thema, welches oft in Kundengesprächen mit aufkommt sind die BestSeller. Jedes Mal, wenn mich ein Kunde anspricht und nach einer Empfehlung fragt, hüpft mein Leserherz. Ich empfehle aus vollem Herzen, gehe auf die Wünsche/Lesevorlieben ein und versuche, dem möglichst gerecht zu werden mit den Büchern, die ich auswähle, 

Und nicht selten kommt dann dieser eine Satz, bei dem mein Lächeln regelmäßig kurz einfriert: "Aber da steht ja gar nicht Spiegel-Bestseller drauf?" Dabei schwingt meistens ein "Dann kann das Buch ja nicht SO gut sein wie Sie sagen" mit oder es wird auf die ein oder andere Weise dazu gesagt. 

Ja natürlich kann das Buch nicht gut sein wenn es nicht auf der Bestsellerliste steht, tut mir leid, ich habe ja auch eigentlich keine Ahnung, was ich ihnen hier empfehle. Die meisten meiner Abende bzw. meine Freizeit gebe ich ja auch nicht gerne zum Lesen her, damit ich sie auf die bestmöglichste Art und Weise beraten kann. 
Vertrauen Sie ruhig auf die gebündelte Kaufkraft der Konsumenten oder den Marketingstrategien der Verlage, denn die machen ja schließlich das Ranking dieser Listen aus. Ich lese nur zu meinem eigenen Vergnügen und empfehle Ihnen deswegen nur den größten Schund, damit Sie mir meine Lieblingsbücher nicht wegschnappen!  "


Genau DAS möchte ich manchmal darauf antworten. Nicht weil ich einen Hass auf meine Kunden habe oder diese Antwort für dämlich befinde ... nein, ich weiß dass es die meisten Leser oder Geschenkekäufer einfach nicht besser wissen oder sich von diesem Irrglauben leiten lassen, aber manchmal frustet mich dass dann doch ungemein.

DAS musste jetzt mal raus, ich hoffe ihr verzeiht mir! Aber im Stillen hoffe ich, eines Tages all meine Kunden bekehren zu können, ihnen so viele gute Empfehlungen mitgegeben zu haben und damit so viel Begeisterung für diese Geschichten auszulösen, damit sie mir irgendwann auch die "Nicht-Spiegel-BestSeller" aus der Hand reißen mögen - AMEN! #lifetimegoals

2.) Lese"beichte"

Jetzt möchte ich kurz ein Thema anschneiden, das schon lange in meinem Kopf herumschwirrt. Nicht nur auf Arbeit fällt es mir schwer, selbstbewusst "Ja, ich lese das!" zu sagen, weil ich genau die Blicke der Kollegen vor mir sehe bzw. mir ihre Gedanken dazu ausmalen kann und auch hier habe ich euch einige gelesene Bücher unterschlagen ... warum? 

Tja, wenn ich jetzt so darüber nachdenke, weiß ich es selbst nicht so genau. Letztens habe ich erst einen wundervollen Blogartikel über "Lesen und Lesen lassen" verfolgt, welcher mir eine gehörige Portion Motivation und Selbstvertrauen mitgegeben hat. 

Vorab sei noch zu sagen, dass ich die letzte bin, welche andere Leser nach ihrem Lesegeschmack be- oder noch schlimmer, verurteilt. Lest das, was euch glücklich macht und Spaß bereitet, und wenn ihr dazu noch eine begeisterte Rezension schreibt, dann lese ich diese auch sehr gerne. Und wenn mir dann das Thema nicht in mein Leseschema passt, dann so what!  

Es gibt nichts schlimmeres, als für sein Hobby oder die Auswahl seiner Bücher belächelt zu werden oder von anderen Lesern dafür niedergemacht zu werden. Jeder hat seinen eigenen Geschmck und das ist gut so - und jetzt komme ich zum springenden Punkt ( hach, was habe ich diese Kategorie "Redestoff" vermisst ;D )

Ich lese leidenschaftlich gerne Geschichten aus dem Festa Verlag, vor allem aus der Kategorie Extrem. Für mich ist das Lesen von diesen Horrorbüchern wie eine kalte Dusche; ich greife dann dazu, wenn mich ein Lesetief trifft oder ich etwas GANZ anderes brauche, um mich wieder auf Neuerscheinungen zu stürzen, welche sich oft gleich anhören und sich bei mir ein Gefühl von "Habe ich das nicht schon mal wo gelesen?!" einschleicht.



Denn oft sind es genau diese Geschichten dann, die mich begeistern und überraschen können - und deshalb brauche ich zwischendurch eine komplett unterschiedliche Art von Romanen, damit mein Lesegefühl quasi wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt wird - versteht ihr?

Aber nicht nur der Festa Verlag schafft das, nein auch die ganzen Erotikgeschichten werden von mir unsicher gemacht und gerne gelesen. An sich ja nichts schlimmes, seit Shades of Grey liest ja fast jeder dieses Genre und doch wollte ich nie so offen damit umgehen auf meinem Blog - blöd, oder? >>>

Ich lese nun mal gerne durcheinander, da wird mal dieses ausprobiert und jenes; für nichts davon sollte ich mich "schämen" und auch kein anderer Leser. Geschmäcker sind eben verschieden und genau das liebe ich, denn nur Schwarz und Weiß ist ja auch langweilig!

Bedeutet für euch: Es werden auch aus diesen Genres Rezensionen und Empfehlungen kommen, ob ihr wollt oder nicht. Wenn ihr der "Nicht-Fraktion" angehört, könnt ihr diese Blogartikel dann auch gerne überspringen, niemand muss alles lesen was ich hier so von mir gebe ;-)

3.) Neues Jahr, neues Glück?

Vor genau einem Jahr hatte sich das Leben von meinem Freund und mir um 180 Grad gedreht. Das ganze letzte Jahr ist wie in einem Rausch an uns vorbei geflogen, es gab viel Streit, ungute Gespräche und viele viele Veränderungen. 

Letztes Jahr hat mein Freund erfahren, dass er Vater von einem dreijährigen Jungen namens Leon ist. 

Wieso weshalb warum möchte ich hier jetzt nicht breittreten und doch habe ich das Bedürfnis, auch euch ein wenig daran teilhaben zu lassen. Einfach um euch mein Gefühlschaos ein wenig zu erklären und mir damit auch etwas von der Seele zu schreiben.

Nach dem großen Schock und dem positiven Vaterschaftstest ( es waren noch drei andere potenzielle Kandidaten vorhanden ) war es für mich die reinste Hölle. Ich habe auf der einen Seite versucht meinen Freund zu unterstützen, ihm den Rücken freizuhalten. Er hatte bzw. hat auch immer noch nicht das beste Verhältnis zur Kindsmutter und seinem Sohn, das liegt aber an allem was zuvor gelaufen war und es jetzt nicht einfach für ihn machte.

Und genau da lag unser Knackpunkt: Er war ständig frustriert, ich hatte einen brennenden Kinderwunsch in der Brust und musste nun mit ansehen, wie seine Eltern sich mit strahlenden Augen Oma und Opa nannten. Wie es dauernd hieß "Nimm doch mal deinen Sohn" oder "Geh doch mal zum Papa"- ich kam mir wie das fünfte Rad am Wagen vor und fraß meine Gefühle in mich hinein.

Dass da dann irgendwann ein großer Knall kommen musste war abzusehen und der entlud sich ungefähr vier/fünf Monate danach. Dauernd stritten wir uns wegen den kleinsten Kleinigkeiten, ich fühlte mich ungerecht behandelt und war nur noch am Weinen. Die schlimmste Situation für mich persönlich war dann, als mein Freund meinte "Wir wollten am Wochenende vielleicht in den Zoo gehen, magst du mit?" 

Wer sollte denn WIR sein? Waren nicht er und ich immer dieses unzertrennliche WIR? 

Nein, er meinte damit sich, seine Ex und den Kleinen - und hier entbrannte auch unser heftigster Streit. Wer mir dann auch diesem Gefühlstief herausholte waren meine Arbeitskollegen. Sie kümmerten sich rührend um mich, munterten mich auf und setzen mein angeknackstes Selbstvertrauen Stück für Stück wieder zusammen.

Dieser ausufernde Streit war der letzte große in dem Jahr, danach ging es nur noch in Tippelschritten bergauf. Ich will nicht sagen dass das Thema nun nicht mehr zu Diskussionen oder Gesprächen führt, aber mein Freund und ich haben es geschafft, es so in unseren Alltag zu integrieren, dass sich keiner mehr daran stoßen kann.

Ich bin unendlich froh, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben und dieses Jahr unser Vierjähriges zusammen feiern können - denn auch wenn ich ihm zwischenzeitlich am liebsten das Genick gebrochen hätte, ist da diese bedingungslose, allumfassende Liebe für ihn. Auch wenn es sich kitschig anhört, hätte ich nicht an uns geglaubt und daran, dass wir es schaffen können, dann weiß ich nicht, wie das alles ausgegangen wäre.

Diese Jahr wünsche ich mir eine kleine Verschnaufpause, aber ich bin opimistisch: Jetzt kann es nur  noch bergauf gehen! Und um das ganze jetzt hier abzuschließen, eines meiner Lieblingszitate aus dem letzten Jahr:

Angst ist wichtig. Hab Angst vor dem offenen Meer. Vor dunklen Gassen. Vor großen Hunden. Aber niemals – ich betone – niemals vor der Liebe. Die Liebe mag wehtun, aber sie ist wie eine Rose. Du bekommst sie nicht ohne Dornen. Paris, du & ich - Adriana Popescu